Dominik Blum

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Azeotrop
Azeotrop

AZEOTROP – Noise Grind Metal

Dominik Blum, Pedal-Hammond, Voice

Peter Conradin Zumthor, Drums

 

soeben erschienen:

AZEOTROP 2006 Vinyl-LP feat. CĂ€cilia SchĂŒeli, voc GROB 960

 

 

Die Musik von Azeotrop ist eine Kunstform die sich im wesentlichen aus RadikalitÀt, VirtuositÀt, musikalischer AgressivitÀt und unbÀndiger Spielfreude ergibt. Ist die KlangÀsthetik am ehesten dem Metal/Grind Core zuzuordnen, so spielen in der Musik selber Parameter eine Rolle, die eher der Neuen Musik entsprungen sind.

 

Azeotrop ist meistens Zwölftonmusik, ist oft polyrhythmische, sich in fortlaufenden Takt- und Metrumswechsel verÀndernde Musik, die immer wieder auch monumentale Doom/Noise-WÀnde beihaltet. Es ist Musik auf einer zumeist improvisierten Basis. Es sind die extremen Unterschiede, die den Reiz dieser archaischen Töne ausmachen!

 

Blindes VerstÀndnis, etliche Cues und Zeichen und die minimale Besetzung ermöglichen dem Duo improvisierte Musik auf den Punkt zu spielen. Die Improvisationen werden durchbrochen durch messerscharfe, ausgeschriebene Kompositionssplitter die plötzlich auftauchen und die Musik um eine weitere wichtige Ebene bereichern.

Die Kompositionen stammen sowohl von Azeotrop, als auch von Felix Profos einem Enfant Terrible der Schweizer Komponistenszene.

 

Dominik Blum, der auf seiner ĂŒber mehrere VerstĂ€rkertĂŒrme projezierte Pedal-Hammond die ganze Tonhöhenorganisation alleine besorgt, und Peter Conradin Zumthor, dessen Drumset mit Tamtam und diversen Spezialcymbals angereichert ist, erreichen mit ihrem stupenden Interplay und den eingeworfenen Kurzkompositionen eine hoch energetische musikalische Dichte, die einen staunen lĂ€sst.

Die Musik ist voller Überraschungen sowohl in den vielen Details, den rhythmischen Metren, als auch in der Struktur der Form. Hier haben sich zwei virtuose Musiker gefunden, die sich bestens kennen und das gleiche musikalische Ziel verfolgen.

Eine Musik nĂ€mlich, die sich auszeichnet durch die RadikalitĂ€t in Umsetzung und Aussage, durch das schneidende Strahlen der Klangfarben, durch die Festigkeit des Formalen GerĂŒsts, durch eine ganzheitliche Klarheit, Rauheit und durch eine durchgehend hohe Energie.

 

Azeotrop hat seit der GrĂŒndung im Jahr 2005 zahlreiche Konzerte im In- und Ausland gespielt (Tourneen durch den Balkan, Deutschland, Österreich) und ist am Nozart Festival Köln und am Uncool Festival Poschiavo aufgetreten.

 

www.myspace.com/azeotrop

 

 

CD-Cover 2006

 

AZEOTROP 2006: Vinyl LP feat. CĂ€cilia SchĂŒeli, voc
GROB 960

> die Vinyl-LP 2 kaufen

 

 

 

Höllenhunde

Azeotrops sorgfÀltige LÀrmattacken

 

Es fĂ€ngt so harmlos an. Die pechschwarze PlattenhĂŒlle, die nur von einem fahlen grauen Strahl durchbrochen wird, hĂ€tte einem Warnung genug sein mĂŒssen, aber dann tröpfeln nur einige vorsichtige, leise Orgeltöne aus den Boxen. Doch dann bricht die Hölle los. Ein Massiv aus Trommelgewittern trifft auf eine Wand aus wĂŒsten Hammond-Clustern, dazu Ă€chzt und stöhnt eine Stimme, von der man die weiß, ob es die der SĂ€ngerin CĂ€cilia SchĂŒeli ist oder ob die Töne einem aus Dominik Blums entfesselter Orgel entgegen fauchen. Azeotrop bestehen im wesentlichen aus Blum und dem Schlagzeuger Peter Conradin Zumthor, die die Exzesse von extremem Heavy Metal und Hardcore Punk, den sogenannten Grindcore, mit Kompositionsmethoden der Neuen Musik anreichern. Diese polyrhythmische Zwölftonmusik ist wahrlich nichts fĂŒr zarte GemĂŒter, denn ihre aggressiven KlangwĂ€nde lassen die Kollegen der Metal-Szene, beispielsweise Slayer oder Metallica, wie kleine Jungs aussehen. Dabei entstammen Blum und Zumthor der Schweizer Avantgarde-Szene, die sich ganz ordentlich mit Sechzehntelton-Klavieren oder den Werken des Komponisten Hermann Meier (1906-2002) auseinandersetzt. Doch ihrem in frĂŒher Jugend entstandenen Faible fĂŒr heftige Musik, etwa King Crimson, Black Sabbath oder die sich in jĂŒngster Zeit hervorgetan habenden LĂ€rm-Orgiastiker Sunn O))), haben die beiden Musiker nie abgeschworen. So spielt Dominik Blum auch im Trio Steamboat Switzerland, das seit Jahren eine Ă€hnliche Melange mit vielfĂ€ltigen Resultaten hervorbringt. Dass diese brutalen LĂ€rm-Attacken Ă€ußerst sorgfĂ€ltig komponiert sind, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Zumthor arbeitet mit vorproduzierten Jingles, die in die Musik von Azeotrop eingeflochten werden und Blum hat Ausschnitte aus Hermann Meiers "StĂŒck fĂŒr Elektronik 1" und "FlĂ€chen" fĂŒr einige StĂŒcke verwendet, bei denen er Klavier- und Orgel-Samples einsetzt. Eine radikale Laut/Leise-Dynamik, Geschwindigkeitsexzesse und kompromisslose Tempowechsel bis zu einem nervenzerrend zĂ€hen Lavastrom an Tönen sind die Ausdrucksmittel, die Azeotrop so unerbittlich einzigartig machen. Dazu kommt ein geradezu pedantischer Sinn fĂŒrs Detail und eine virtuose Beherrschung der Instrumente, die aus Azeotrop mehr werden lĂ€sst als nur schlichter LĂ€rm von zwei Schweizer Höllenhunden. Dass die DebĂŒt-LP von Azeotrop nur auf Vinyl erhĂ€ltlich ist, verstĂ€rkt noch den Fetischcharakter dieser Musik.

 

Rolf Thomas, FAZ 30.1.2010